Ein Künstlerfest für Mozart, das zum Kunstwerk wurde:


LEICHENSCHMAUS UND TOTENTANZ

2006 war das 250. Jubiläumsjahr für Mozart.Viele internationale und österreichische schaffende Künstler überlegten was nun in diesem Jahr, für Mozart noch getan werden könnte. Manche wollten Riesenmozartkugeln über die Wiener Ringstrasse rollen, Mozart´s Musik via Satellit in den Weltraum schicken, zurück und rund um die Erde, andere wollten Ehrentafeln aus Marmor an Häusern, wo Mozart Bier getrunken hat, mit Auszügen seiner ordinären Briefe ins Japanisch übersetzt, befestigen lassen.

Der Wiener Künstler Rudi Holdhaus wollte ein einfaches Gassenfest machen, ein Künstlerfest wie zu Mozart´s Zeiten, in der Domgasse, dort wo sich das Figarohaus befindet, im ersten Wiener Gemeindebezirk, zwischen Grünangerergasse und Blutgasse.

Das Figarohaus wurde noch schnell 2005 fürs Jubiläumsjahr, von der Stadt Wien um ca. 8 Millionen Euro, saniert und restauriert.

Die Gasse ist kurz und manchmal verirren sich Touristen bis zu einen kleinen Buchgeschäft.

Hauptattraktion ist das kleine und auch große Geschäft der Hunde, wo sich Hundebesitzer wenn’s erledigt, heimlich davon schleichen, den Touristen und Anrainern mit dem Gemachten ihrer Lieblinge helle Freude bereiten.

Im Herbst 2005 ging Holdhaus die Domgasse auf und ab um sich Eindrücke für sein Gassenfest zu holen. Die Gasse von der Blutgasse bis zur Grünangerergasse soll mit nachgemachten Kulissen, von Mozartaufführungen gesperrt werden, ein langer Tisch durch die Gasse und mit Köstlichkeiten des 18 Jahrhundert, die Besucher verwöhnt

Mozarts Lieblinsspeisen, Carbonadln, Schlamperte Schnecken, Donaukarfensuppe,Bierteiggerichte und so weiter sollte serviert werden. Und so beim nachdenken wie das Fest sein könnte und wie Mozart gern gefeiert hätte, stieg Holdhaus in die Losung eines Hundes.

„Na und“ dachte er sich, „Tempelhupfen muss in Wien erfunden worden sein,
es hat sich nicht viel in Wien seit 250 Jahren verändert, oder doch?“

Holdhaus fing zu träumen an- schloss die Augen,
Wie war’s damals, was spielte sich in der Gasse nächst Sankt Stefan ab, welche Tiere liefen herum. welche Gerüche kamen aus den Wohnungen, war´s laut oder leise, zogen Bettler Scherenschleifer, Kinder, Huren oder sogar Diebsgesindel um die Häuser?

Wo holte man Wasser, wo verrichtete man die Notdurft?
Wer wohnte mit Mozart noch in der Gasse?
So ein Fest wollte Holdhaus fürs Mozartjahr machen. Die Leute sollen sich verkleiden und sich selber spielen, in einer anderen Zeit.
Der Titel des Festes, ein verbürgter Mozartsager

„jetzt esse ich auf deine Gesundheit“

Kurzum es wurde vom Magistrat nicht genehmigt.
Rudi Holdhaus suchte einen Ausweg.

Ein Freund von Holdhaus besitzt in der Domgasse 6 das kleine Bischofspalais, ein Haus aus dem 17 Jahrhundert wo 5 Wohnungen mit je 180 qm im Dritten und Vierten Stock, ein Straßenlokal ebenerdig, bis zur Haussanierung 2007 freistehen.
Dieser sagte „ich borge Dir das Haus und mach dein Fest“

Die Zeit wurde knapp,der angesetzte Termin 9.September wurde verworfen, das Konzept musste umgeschrieben werden.
Gernot Friedel jahrelanger Regisseur des Salzburger Jedermanns und zahlreicher Dokumentationen und Filme bat Holdhaus seine Hilfe an. Er kennt sich bei Mozart so gut wie keiner aus, und meinte
„ Rudi, Mozart ist auch gestorben, das Sterbedatum wäre der 5.12 vielleicht fällt dir dazu was ein“.

Und Rudi Holdhaus fiel was ein. Das Konzept wurde umgeschrieben, von der Gasse, hinein in die unglaublichen tollen Räumlichkeiten des kleinen Bischofspalais, in allen Räumen sollte etwas passieren.

TOTENTANZ UND LEICHENSCHMAUS war der Einladungs- und Arbeitstitel.
Mit den großen alten Schlüsseln der Wohnungen bewaffnet, ging Holdhaus in die erste Wohnung Nr.17, Dritter Stock.
Der Anblick der Wohnung, lies Holdhaus den Atem stocken. Er stand im 18 Jahrhundert, Holzböden, alte Wandmalerei alte Öfen kein Strom und leichter modriger Geruch. Von den restlichen Wohnungen samt offener Pawlatschen, der Innenhof, das kleine Gassenlokal, lies Holdhaus von einer Idee zur Anderen springen.
So haben Mozarts Nachbarn gewohnt, hier wurde musiziert, da wurde gelesen, da tranken Freunde nach vor einer Jagdpartie im Prater oder nach einen schnellen Ausritt im Augarten, hier stand der hölzerne Waschbottich der Familie, da wurde von der Dienstmagt Feuer gemacht, so man eine hatte und auch gekocht.
Holdhaus sah bleichgepuderte Gesichter, geschminkte Männer und Frauen mit weißen Perücken, hochgeschnallte Dekoltes.

Mozarts und Salieris Musik in den Räumen, ein Hauskonzert, rauchende Braten, zur Verabschiedung und zu Ehren eines barocken Genies.
Zum Totenfest für Mozart. Mozart soll endlich in Ruhe gelassen werden. Das ausgelutschte Jubiläumsjahr sollte gleich mitsterben.
Die in irre geführten Salzburgbesucher, jene die, die sich am glücklichsten fühlen, wenn sie die teuersten Karten erwerben und die wissen wie Mozart wohl wirklich war, und gelebt hat. Sie mögen die Nase rümpfen, dachte sich Holdhaus.
Keiner kennt das Genie, auch der Maler Rudi Holdhaus nicht.
Deshalb.
Wir brauchen schrille, aneckende, wache Künstler, welche die Zeit leben können.

Sowie:

Romana Beutel Amerling

Sopranistin, Solistin, Konservatorium Wien

Magali Brunner

Malerin

Rudi Hübl

der Würstemacher der Mozartplakate, Volxkünstler, Schirmherr der Schirmkunst

Ottwald Jom

Künstler, Schriftsteller,Schauspieler

Erich Joham

Kultfigaro, Aktionist, Erzähler

Peter Kern

Schauspieler, Autor, gewichtige Stimme in Jesus Christ Superstar

Hubsi Kramar

Aktionist, Hitler vor der Wiener Oper, Schauspieler und Theaterdirektor

Erwin Leder

Ubootmaschinist, Karl Valentin, Tänzer und Musiker

Mexx

Klavierexperte, Komponist, Musiker

Günter Mokesch

Send me Roses, Sänger und Küsser der Spinnenfrau

Mara Niang

Performece und Videokünstler, Mozart ist Afrikaner

Barbara Newrkla

Malerin

Sandra Peron

Ballerina

Angelia Rankl

Sängerin, Falcos Amadeus

Kristina Sprenger

hübsche Tirolerin, Schauspielerin und Soko Kommissarin, Romy Siegerin

Peter Uwira

Prof. Wiener Konservatorium, Sänger und Bandleader

Bernhard Weilguni

Rocksänger der legendären Gruppe Tomorow, Stimme von Dreamtalker

Fabio Zolly

Kunstabsperrspezialist und Tatortabsicherer sowie Globogrammist

das Bläseroktett,

Collegium Viennese

Geigenquartett

Atlas

Totentanz

Tanzschule Roman Svabek

Alle machten sie mit, ohne Geld zu wollen, die Idee zählte, es entstand eine Eigendynamik die unglaublich und kolossal wurde.
Alle brachten eigene Fassetten in das Fest.
Kein nobles Fest soll es werden, kein nobles Konzert für Neureiche. Nein, ein Fest wo Mozart mitsäuft, mitfrießt, mitschäckt, ordinär ist, den Damen den Hintern zeigt und den Hof macht. Holdhaus braucht einen toten Mozart, Einen wo die geladenen Trauergäste vorbeikondolieren. Einen Mozart in einen Sarg, einen Schock für die Wiener Gesellschaft- Da liegt ja wirklich einer drinnen- ist der aus Gips, ist der echt, ich kann’s nicht glauben, bewegt sich der da noch, unglaublich.

Sie tat es.
Wird ihn die Frau Gesundheitsminister an den nackten Fußsohlen kitzeln, ob der da, doch lebt?
Marboe tat es, und viele andere.

Er lebte, Gerhard Groag, genannt Gröli, er nahm sein Spiel als Toter sehr ernst, trank eine Flasche Schnaps um 4 Stunden seine liegende Rolle perfekt auszuharren.
400 Gäste aus Politik, Wirtschaft Kunst und Gesellschaft kondolierten den toten Mozart (Gröli).
Holdhaus gab Mozart nach 215 Jahre alle Ehre, statt schnell in die Siemeringer Erde verscharrt zu werden, mit Kalk zugedeckt, musste auch das Ururururenkel von Maria Theresia an Amadeus vorbei.
46 faszinierende junge Musiker rundeten das Schauspiel dieser Inszenierung auf.
Das Bläseroktett Collegium Viennese im Figarozimmer rund um Kulthaarmacher und Wiener entfauteriblle Erich Joham war eine Sensation, die unvergessen bleibt. Während dessen sie aufspielten, spießte Herr Erich Frau Bezirkvorsteherin Ursula Stenzel Klopapierrollen in die barocke Perücke um Mozarts Zeit zu betonen. 400 Bouitellen Wein, 250 l. Bier, 5 gebratene Ferkel, 50 l. schlampertes Schneckenrahgut, Karpfensuppe, gesottene Rindszungen mit Erbsenpüree, Honigpoufaun auf Apfelspalten in Schnittlauchsauce und vieles mehr erwartete die Gesellschaft in den Wohnungen Nr.21.-22.-23.

Während Gernot Friedel, in Wohnung Nr.17 bei Kerzenschein und andächtigen Publikum, die Betrachtung eines Freundes von Gottfried von Jaquin (1763-1792) las, bereitete sich das junge Geigenquardett Atlas für das selten gehörte Stück K.V.446 vor.
Eine Faschingspantomime.

Holdhaus wollte aneckende Künstler präsentieren. Er holte zum Fest den farbigen Künstler Mara aus Senegal, welcher in Wohnung Nr.18 seine Performance „ Mozart ist ein Afrikaner“ vorstellte.
Mara kochte 35 Mozartkugeln bis sie flüssig wurden und pinselte die Schokolade auf die Büste von Mozart, hauchte also W.A.M. afrikanisches Leben ein.
Kristina Sprenger bereitete ihre Lesung mit hochgesteckter Perücke in Wohnung Nr.17 wo hunderte von Kerzen brannten vor. Im Stock darüber brutzelten Schweine und Geflügel mit alten Rezepturen, überwacht von Küchenchef Idi Idinger, vor sich hin.
Die Gäste schoben sich barock, kokket durch den Rundgang der Wohnungen, wo tausende Kerzen die Räumlichkeiten erhellten und erwärmten.
Sie flanierten von Raum zu Raum, betrachteten den Bilderzyklus von Rudi Holdhaus „So sah Mozart wirklich aus“
in der Rauchküche, die aus Plakaten fabrizierten Würste von Rudi Hübl, das güldene Kreuz von Magali Brunner und den Collagenzyklus von Barbara „Amadeus Jetset“

Aus den großen Raum der Wohnung Nr.23 hörte man die zauberhafte Sopranstimme von Romana Beutel Amerling, die von der entzückenden Christine David am Klavier begleitet wurde.
Stündlich sang Angelia Rankl mit Band, Falcos Amadeus.
Ein Raum in dieser Wohnung war abgesperrt und separiert.
Nämlich das Kaiserinnenzimmer.
Eine lebendige Installation von Holdhaus.
Ein Schauraum, der nur für gewählte Damen bestimmt war. Um 23.00 Uhr wurden die Damen von Zeremonienmeister Friedchrist Maria Weidmann, zur Tafel gebeten.

Während die Damen der Gesellschaft aßen, las Peter Kern, als Pathologe den Bericht über die Obduktion der Leiche Mozart.
Zum Dessert wollte Erwin Leder wissen, ob nun Mozart, einen heimtückischen Giftmordanschlag zum Opfer fiel oder ob es doch die Syphilis war.Hubsi Kramar gab den Damen den Rest, sie mussten mit ihm weinen, trauern, schreien und singen, was er am lautesten und besten konnte.
Um 24.00 Uhr hörte man Günter Mo Mokesch, Victoria Rona und Chorleiter Prof. Peter Uwira samt Chor „Halleluja“ aus dem dritten Stock, den Schlussakt singen.
Der Leichenschmaus war zu Ende. Der Totentanz fing an.
Ballerina Sandra Peron zeigte wie zurzeit Mozart getanzt wurde.
Keiner wollte gehen. Normalerweise erlebt man Mozart nur im sitzen, Holdhaus zeigte das Mozart sehr lebendig war. Jetzt geigten die Dreamtalker auf, eine Band für Insider. Alles tanzte, verzückt, wild, teuflisch und umschlungen.

Laut Polizeiprotokol war um 1.30 Uhr früh der erste Polizeieinsatz, wegen nächtlicher Ruhestörung. Otwald Jom, Spinatwächter und Geheimschnüffler und Haushofmeister Ihrer Majestät Maria Theresia, wehrte den ersten Ansturm mit gewählten Worten ab. Der zweite erfolgte um 2.05 Uhr, der dritte um 2.45 Uhr, der vierte um 3.1o Uhr mit 10 Mann hoch.
Der tote Mozart Gröli wackelte währenddessen schon auf den Heimweg in den Dritten, in die Hintzingergasse, ohne Sänfte.
Das wahre Genie liegt 215 Jahre irgendwo im Elften.
Unvergessen aber irgendwo.

Leichenschmaus und Totentanz